
In unserer Gegend haben wir in letzter Zeit öfter mal ganz kurze Spannungseinbrüche in der Netzversorgung. Die meisten unserer elektrischen Geräte bemerken diese nicht einmal, aber es gibt zwei Ausnahmen von der Regel. Die erste Ausnahme ist das Steuergerät unseres Rückstauverschlusses im Keller. Die Steuerung führt ein Logbuch das diese kurzen Spannungseinbrüche meistens erfasst. Da die Steuerung eine Backup-Batterie hat, passiert sonst nichts, es steht halt im Log.
Die zweite Ausnahme ist die Circon Zirkulationssteuerung von Dr. Clauss. Die Circon ist auf absolut einfache Bedienung mit möglichst wenigen Bedienelementen ausgelegt, folglich gibt es keine Reset-Taste. Um die Steuerung zurückzusetzen nimmt man sie kurz aus der Steckdose und fertig.
Leider bemerkt die Circon auch die kurzen Spannungseinbrüche und erkennt diese als Aufforderung zum Neustart. Alle gelernten Einschaltzeiten sind danach flöten, müssen neu gelernt werden. Diese Lernphase dauert ein paar Tage, sollen Wochenenden erkannt werden, sind dafür zwei Wochen anzusetzen.
Die ungewollten Rücksetzer haben zuletzt überhand genommen, so dass ich auf Abhilfe sann.
Achtung!
Die in der nachfolgenden Beschreibung aufgezeigte Schaltung arbeitet mit
Netzspannung die bei Missachtung von einschlägigen Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen tödlich sein kann. Wer sich also mit dem Umgang mit Netzspannung nicht auskennt, sollte vom Nachbau absehen oder sich
zumindest beim Aufbau des Netzspannung führenden Teils der Schaltung sowie bei der Inbetriebnahme von jemandem helfen lassen, der die passende Ausbildung sein Eigen nennt.
In der Circon werkelt ein AtMega88, das habe ich bei einer Reparatur - das SolidState-Relais für die Zirkulationspumpe hatte den Geist aufgegeben - schon mal herausgefunden. Die Stromversorgung erfolgt über einen kleinen Trafo mit nachgeschaltetem Linearregler. Beste Voraussetzungen für den Einsatz eines Doppelschichtkondensators als Puffer. Ein Test bestätigt, der voll geladene Kondensator, ein 5,5 V Typ mit 0,22 Farad, hält den µC ohne Netzanschluss fast eine Minute am Laufen.
Der jeweils rechte Pin der beiden Sensorstecker führt Masse, hier wird der Minuspol des Stütz-C angelötet.

Der Pluspol findet Anschluss an einem SMD Kondensator am Ausgang des Längsreglers.

Für einen gewollten Reset muss man nach alter Lesart jetzt sicherheitshalber über eine Minute warten...
Man bekommt das langsame Sterben des µC mit. Zuerst läuft das Blinken ganz normal weiter, nach etwas mehr als einer halben Minute fängt die LED an erratisch zu blitzen und wird dabei immer dunkler. Dann ist Schluss, die LED bleibt aus.
... Oder der Circon bekommt einen Reset-Taster spendiert. Masse und der Reset-Eingang des µC sind auf dem vorgesehenen SPI Programmieranschluss vorhanden, ein PullUp an Reset ist ebenfalls an Bord, fehlt also nur der Taster.
In den beiden Bildern oben ist der Reset-Taster im ersten Versuch direkt auf die beiden Durchkontaktierungen des SPI-Anschlusses gelötet. Im Nachhinein stellt sich aber heraus, dass so der Stecker des Messfühlers nicht mehr gesteckt werden kann, der Taster sitzt zu dicht am Stecker, er muss umziehen.
Plan B: Der Taster wird an der Steckdose angeklebt und wird mit zwei Kabeln am SPI-Anschluss angeschlossen.

Der Taststößel erhält ein passendes Loch in der Gehäusewand. Er schließt bündig mit der Oberfläche ab, kann also nicht unbeabsichtigt ausgelöst werden.

Nach dem Zusammenbau ist von der Erweiterung fast nichts zu sehen, bisher keine ungewollten Rücksetzer mehr, der Reset-Taster tut was er soll, der Circon startet nach kurzem Druck auf den Taster komplett neu. Erfolg auf der ganzen Linie :)
Achtung!
Hier noch einmal der dringende Hinweis, dass bei Arbeiten mit Netzspannung die
einschlägigen Vorschriften zu beachten sind und man sich im Zweifelsfall von jemandem helfen lässt, der die entsprechende Ausbildung hat.
Bitte nur nachbauen, wenn der Umgang mit Netzspannung kein Böhmisches Dorf ist. Arbeiten am geöffneten Gehäuse und an der Platine nur ohne Netzanschluss durchführen!