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Messerblock

Auf unserer Küchenarbeitsplatte liegt seit gefühlt 30 Jahren das Brotmesser vor dem Brotkorb herum, weil der zugehörige Messerblock mit all den anderen, feinen Spezialmessern auf der gegenüberliegenden Seite der Küche steht.

Die Tage habe ich dann zusätzlich noch ein superscharfes Santoku Messer geschenkt bekommen, dessen Behandlungsvorschrift im wesentlichen darauf hinausläuft, dass es nicht in eine Schublade mit anderen Teilen gelegt werden soll, damit die empfindliche Schneide nicht leidet.

Was liegt also näher, als einen Messerblock für zwei ca. 20 cm lange Messer zu besorgen? Es ergibt sich Handlungsbedarf.

Eine schnelle Netzrecherche ergibt: Ja, es existieren geeignete Messerhalter in verschiedensten Formen und Farben. Deren gemeinsames, herausragendes Merkmal ist aber leider ein exorbitant hoher Preis, den ich nicht bereit bin zu zahlen.

Nun besitze ich ja eine CNC-Fräse und wollte schon immer mal etwas in Holz auf dem Teil erstellen. Wenn das Ergebnis dann noch eine sinnvolle Aufgabe erfüllen kann, umso besser.


Mir gefällt Ahorn aufgrund der Maserung ausgesprochen gut, also habe ich zwei Platten dieser Holzsorte in den Abmessungen 45 x 12 x 3,4 cm gekauft.

Zur Fixierung der Messer am Block werden Magnete verwendet. 25 mm durchmessende und 2 mm starke Neodym Scheibenmagnete mit einer Haltekraft von 8 kg erscheinen brauchbar, ich verwende je drei Magnete pro Messer bzw. Seite des Messerblocks. Die Einbautiefe muss empirisch ermittelt werden, die Messer müssen sicher am Block halten, sich aber auch komfortabel mit einer Hand nach oben abziehend abnehmen lassen.

Um die Standfestigkeit zu erhöhen, wird ein Bleigewicht von 500 gr im unteren Teil des Messerblocks eingebaut, zusätzlich erhält der Block einen Sockel.

Alle Teile sind über ebay zu finden.

Für das Holz nach „Bosnisches Ahorn“ suchen. Man findet (zur Zeit) z.B. https://www.karton-outlet.de/holz. Das Ahorn wird dort normalerweise als „30 kg Bastelholz“ angeboten, der nette Verkäufer verkauft das Holz aber auch einzeln - einfach anfragen.

Andere Holzsorten sind natürlich ebenfalls brauchbar, man muss nur auf die Minimalabmessungen achten. Durch die Verschränkung („Parallelogramm“, siehe unten) ergibt sich die notwendige Länge des Holzstücks mit ca. 24 cm. Und auf der Fräse für die Bearbeitung gespannt muss das Stück ja auch noch werden, also nicht zu knapp wählen.

Das Bleigewicht sucht man mit „Bleibarren 500 gr“. Die 500 gr Barren haben Abmessungen von ca. 77 x 35 x 20 mm, man sollte aber nachmessen, die Oberfläche ist ziemlich wellig.

Bleigewicht 500 gr

Die Magnete findet man mit „Neodym Scheiben Magnete Ø25mm“, in den Ergebnissen entweder die Dicke (2 mm) oder die Haltekraft (8 kg) als zusätzliches Kriterium benutzen.

Nachtrag
Achtung! Ich habe für einen weiteren Messerblock neue Magnete kaufen müssen. Der erste Anbieter hat keine mehr, also habe ich Magnete mit identischen Abmessungen woanders gekauft. Diese Magnete sind deutlich schwächer und halten die Messer nicht am Block. Man sollte also explizit auf die Haltekraft achten, oder alternativ die Wandstärke anpassen. In einer Testreihe habe ich herausgefunden, dass die neuen Magnete erst genügend Haltekraft aufbauen, wenn die Wandstärke nur noch 1 mm beträgt. Siehe dazu auch hier.

Andererseits darf die Haftkraft auch nicht zu groß ausfallen, man will ja nicht den kompletten Messerblock am Messer hängen haben und das Messer trotzdem einhändig abnehmen können. Am besten Magnete und Wandstärke durch Tests mit gegebenen Materialien aufeinander abstimmen.


Um das Aussehen gefällig zu machen, wird der Block um 10 Grad nach vorn geneigt auf dem Sockel montiert, die Oberseite ist parallel zum Boden, von der Seite gesehen ist der Block also ein Parallelogramm. Der Block ist auf dem Sockel zur Erhöhung der Standsicherheit asymmetrisch montiert.

Die Längskante des Blocks ist 22,5 cm lang, die Schmalseite 6 cm. Der Block wird aus zwei spiegelbildlich aufgebauten Hälften zusammengesetzt, jede Hälfte ist 22 mm stark. Der Sockel ist 15 mm stark und erhält Vertiefungen für selbstklebende Filzgleiter.

Messerblock Model

Sockel und Messerblock werden mit zwei Schrauben verbunden.

Versuche mit Parkettabfällen aus amerikanischem Ahorn ergeben eine optimale Reststärke der Außenwand von 3 mm. Der Lochdurchmesser wird mit 25,3 mm etwas größer gewählt, damit die Magnete locker in die Löcher fallen.

Um die Magnete in ihren Vertiefungen am Platz zu halten, verwende ich Sektkorken, deren oberen, dickeren Teil ich auf der Drehbank passend zurechtgedreht und gekürzt habe.

Korken zur Fixierung der Magnete

Die Oberfläche der Drehresultate ist gruselig, aber die Teilchen verschwinden ja zum Glück auf Nimmerwiedersehen im Innern des Messerblocks.

Die Länge ist ein bis zwei Zehntel größer als der Abstand der gegenüberliegenden Magnete, so wird nach dem Zusammenkleben ein Klappern der Magnete sicher verhindert. Die Magnete mit Kleber zu fixieren ist ebenfalls eine Option.

Gemeinhin werden bei Selbstbau-Messerblöcken die Magnete auf einer Seite gleichpolig angeordnet (der Nordpol bei allen drei Magneten z.B. nach außen). Ich habe aber festgestellt, dass die Haftwirkung auf die Messer größer ist, wenn die Polung abwechselnd ausgerichtet wird, weshalb ich dieses Schema bei meinem Messerblock angewandt habe. Auf einer Seite sind die Pole N-S-N ausgerichtet, auf der gegenüberliegenden Seite entsprechend S-N-S, die sich im Innern des Blocks gegenüber liegenden Magnetpole ziehen sich also an.

Zum Verleimen wird die Innenseite einer Hälfte mit Weißleim eingestrichen, die andere Hälfte aufgelegt und beide Teile mit Schraubzwingen, unter Zwischenlage von zwei Holzstücken zur Schonung der Oberfläche, bis zum Aushärten des Leims gepresst.

Nach der Bearbeitung der Oberflächen auf der Fräse ist das Teil noch kein echter Handschmeichler, die Montage der beiden Hälften mittels Weißleim wird ebenfalls kleine Abweichungen von ideal ergeben. Nach dem Verleimen muss die Oberfläche deshalb mit einem Bandschleifer rundherum geglättet werden, 150er Körnung ergibt eine schöne Oberfläche.

Messerblock im Einsatz


Bei der ersten Version dienen die Korken als Fixierung der Lage der beiden Hälften zueinander. Das hat nicht sehr gut funktioniert, weshalb bei Version 2 zusätzlich Löcher für Holzdübel vorgesehen sind.

Messerblock V2, 3D-Modell

Das Fach für das Bleigewicht ist bei Version 2 ebenfalls etwas anders gelöst. Über eine kleine Exceltabelle habe ich das Volumen der im Netz erhältlichen Bleigewichte errechnet und einen Quader mit gleichem Volumen berechnet, der sich viel einfacher unterbringen und vor allem auch gut fixieren lässt. Auf diese Weise kann das Fach rechteckig und deutlich niedriger ausfallen, so dass die Abstände zum Boden und zum untersten Magneten weniger knapp ausfallen müssen. So kommen sich dann auch die beiden Schrauben, die den Boden am eigentlichen Messerblock befestigen, und der Bleiklotz nicht mehr ins Gehege.

Die Option, die Bleigewichte zu schmelzen und in die beiden Hälften des Bleifachs zu gießen, habe ich zugunsten der Möglichkeit, das Gewicht mit Hammer und Amboss in die passende Form zu bringen, verworfen.

Original und Fälschung

Original und Fälschung

Original und Fälschung

 

Für diesen zweiten Entwurf habe ich auch eine Maßzeichnung angefertigt.

Messerblock V2, Konstruktion                                    (Click auf das Bild für größere Darstellung)

Der krumme Wert für die Höhe ergibt sich aus dem 220 mm langen Rechteck, das ich um 10° nach vorne geneigt habe.

Tipp
Die beiden Seiten sind genau spiegelbildlich aufgebaut. Designspark mechanical bietet aber leider keine Option, einen bereits bestehenden Entwurf nachträglich zu spiegeln. Deshalb ist es wichtig, bereits vor Einfügen des ersten Elements, die Spiegellinie festzulegen und diese Linie als Solche zu definieren (die Linie selektieren und mit rechter Maustaste “Spiegellinie” aktivieren). Alle ab jetzt eingefügten Elemente werden symmetrisch zur Spiegellinie verdoppelt und bewegt.


Erneut habe ich mich an den netten Holzlieferanten gewandt und er hat mir freundlicherweise ein paar ganz tolle Bretter ausgesucht. Vielen Dank Marco!
Diesmal habe ich darauf geachtet, dass die Bretter breit genug sind, um beide Hälften des Blocks nebeneinander unterzubringen. Das Brett muss also mindestens 130 mm breit sein. Damit die ausgefrästen Teile seitlich auf beiden Seiten Halt haben, sollte das Brett also 140 mm oder breiter sein.

Eine 27 mm dicke Platte aus Weißbuche dient für die Version V2 als Ausgangsmaterial.

Platte aus Weißbuche

Die Oberfläche ist etwas rau, das schadet aber nicht, da diese Seite ohnehin weggefräst wird.

Zuerst wird der Bereich der beiden Hälften mit etwas Übermaß auf die passende Dicke gefräst.

Dicke herstellen

Im nächsten Schritt erfolgt die Erstellung der Löcher für die Holzdübel sowie der Taschen für die Magnete und das Bleigewicht.

Bearbeitungsschritt

Nachdem alle Ausschnitte fertig gestellt sind...

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... werden die Umrissse ausgefräst.

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Dabei werden auf dem Umfang verteilt sogenannte Anbindungen vorgesehen, damit das Werkstück nach dem Ausfräsen nicht locker im Restholz herumfällt und ggf. den Fräser verklemmt oder sich zumindest Macken einfängt.

Im nächsten Schritt wird der Sockel erstellt. Der ist 15 mm dick und erhält zwei Löcher für die Schrauben zur Befestigung des Blocks.

Seitenteile und Sockel

Anschließend wird das Brett gewendet. Hier sieht man schön die oben erwähnten Anbindungen. Die Vertiefungen für die Filzgleiter sind hier auch schon gefertigt, es fehlen noch die Fasen an den Löchern für die Senkkopfschrauben, die im Anschluss mit einem Senker mit der Bohrmaschine erzeugt werden.

Unterseite mit Anbindungen

Der grob zurecht gedengelte Bleiklotz sitzt in der rückwärtigen Hälfte der Bleikammer.

Bleigewicht an Ort und Stelle

Tipp
Da der Messerblock nach vorne geneigt aufgestellt wird, ist der unten längere Teil der Seitenwand die “rückwärtige Hälfte”.

Dort wird der Bleiklotz, z.B. mit einem Stück Kork, fixiert.

Bleiklotz mit Korkenstück fixiert

Die 8 mm durchmessenden Holzdübel dürfen nicht länger als 29,5 mm sein, da sie sonst nicht komplett in den beiden jeweils 15 mm tiefen Sacklöchern verschwinden.

Tipp
Oben habe ich erwähnt, dass für schwächere Magnete die Restwandstärke in den Löchern für die Magnete gegebenenfalls auf bis zu 1 mm herunter verringert werden muss, damit die Messer sicher am Block haften. Dabei kann es je nach Holzsorte passieren, dass nach dem Einölen die Magnete dunkel durch das Holz hindurch schimmern.

Messerblock V2 in Ahorn

Das ist kein Beinbruch, denn wenn die Messer am Block hängen, werden die Magnetpositionen von der Schneide abgedeckt. Damit der Messerblock aber auch unbestückt gut aussieht, kann man ein oder zwei Lagen weißes Papier in die Löcher legen, bevor die Magnete eingelegt werden.

Ich habe den Messerblock mit Walnussöl eingepinselt, vier Lagen nacheinander, jeweils mit ca. einem halben Tag Zeit Pause zum Trocknen der vorherigen Schicht. Abschließend kann die Oberfläche mit einem weichen Lappen poliert werden, sie erhält dadurch einen sehr schönen, seidenmatten Schimmer.

 


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